Schule mit Leben

Wer war eigentlich Johanna Mestorf?

Johanna Mestorf wurde am 15.04.1828 in Bad Bramstedt geboren. Wahrscheinlich ist ihr Interesse an der Archäologie früh durch die umfangreiche Altertumssammlung ihres Vaters geweckt worden. Johanna Mestorf verlor ihren Vater, als sie neun Jahre alt war. Ihre Mutter geriet dadurch mit ihren fünf Kindern in finanzielle Bedrängnis, trotzdem konnte sie Johanna in Itzehoe den Schulbesuch ermöglichen.
1849 ging die 21jährige Johanna Mestorf erst nach Schweden, dann nach Italien und lebte in beiden Ländern jeweils etwa fünf Jahre lang in der Familie eines Grafen. Sie vertiefte während dieser Zeit als Erzieherin und Gesellschafterin ihre Sprach- und Geschichtskenntnisse. Ab 1859 lebte Johanna Mestorf hauptsächlich in Hamburg und verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Übersetzerin und Fremdsprachensekretärin. 1866 erschien ihr historischer Roman "Wiebke Kruse, eine holsteinische Bauerntochter". 1873 übernahm Johanna Mestorf die neu geschaffene Stelle der Kustodin am "Schleswig-Holsteinischen Museum vaterländischer Alterthümer" in Kiel. Dieses Museum war kurz zuvor der Christian-Albrechts-Universität in Kiel angegliedert worden. Johanna Mestorf sichtete mit großem Engagement die Sammlungsbestände, die bis dahin "ein ungeordneter Haufen von Kuriositäten" waren. 1885 erschien ihr Tafelband "Vorgeschichtliche Alterthümer aus Schleswig-Holstein. Zum Gedächtnis des fünfzigjährigen Bestehens des Museums vaterländischer Alterthümer in Kiel". 1886 folgte ihr Werk "Urnenfriedhöfe in Schleswig-Holstein", das lange Zeit als einzige Veröffentlichung dieses Fundstoffes galt.
1891 wurde Johanna Mestorf die Leiterin des Kieler Museums. Damit war sie die erste Frau in Deutschland, die als Museumsdirektorin fungierte und ein Universitätsinstitut leitete. Sie pflegte weit reichende Kontakte zu Fachkollegen sowie zu wissenschaftlichen Institutionen und Gesellschaften, denen sie oft als Mitglied bzw. Ehrenmitglied angehörte. 1899 wurde ihr vom deutschen Kaiserpaar der Frauenverdienstorden und der Professorentitel verliehen. Damit war sie die zweite Frau in Deutschland, die zum Professor ernannt wurde. 1904 überreichte man ihr die Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft.
1909 trat Johanna Mestorf von ihrem Posten als Direktorin des Kieler Museums zurück. Beim Eintritt in den Ruhestand erhielt die "Zierde der Wissenschaft" und "größte Frau von Schleswig-Holstein" ein Porträtfoto von Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) mit eigenhändiger Unterschrift des Herrschers. Zudem wurde sie von der medizinischen Fakultät der Universität Kiel wegen ihrer Moorleichenforschung zum Ehrendoktor ernannt. Die "Deutsche Gesellschaft für Vorgeschichte" ernannte sie am 17. April 1909 zum Ehrenmitglied.
Die ihr Leben lang unverheiratet gebliebene Johanna Mestorf konnte ihr Vorhaben, eine Geschichte des Kieler Museums zu schreiben, nicht mehr verwirklichen. Nach längerer Krankheit starb sie am 20. Juli 1909 im Alter von 81 Jahren in Kiel. Sie wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg in einem Familiengrab beigesetzt.
Informationen über Johanna Mestorf gibt es auch bei
Wikipedia, der freien Enzyklopädie im Internet

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Frau Günther zu Besuch auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Wenn frau seit acht Jahren die Leitung der Johanna-Mestorf-Schule hat, dann wird es Zeit, einmal die Grabstätte dieser Johanna zu besuchen. Sie wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beigesetzt. Dieser Friedhof ist riesig – etwa so groß wie 950 Fußballplätze, 13 Kapellen, mehrere Bushaltestellen. Folglich bemühte ich vorher das Internet – und wurde rasch fündig: Johanna Mestorf ist im Quadrat U 17 zu finden. Beherzt machten meine Bekannte und ich uns an einem wunderschönen Septembertag 2011 auf die Suche – U 17 kann ja nicht so schwer zu finden sein… dachten wir… um es kurz zu machen – wir haben die Grabstelle nicht gefunden, trotz 1,5stündiger, intensiver Suche.
Am nächsten Tag rief ich die Leitung des Ohlsdorfer Friedhofes an – dort war man sich zunächst nicht sicher, ob Johanna Mestorf nicht inzwischen auf den Bereich der „berühmten Frauen“ umgebettet war – war sie aber nicht. Schließlich erhielt ich ein Fax, auf welchem noch einmal exakt mit Kreuz Johannas Ruhestätte gekennzeichnet war.
Also machte ich mich vier Wochen später nochmals auf den Weg. Als ich aus meinem Auto stieg, beschlich mich die Ahnung: „Du findest es wieder nicht!“ Und so ging ich beherzt auf einen schwarz gekleideten Mann zu, der sehr „friedhofskompetent“ aussah. Ich trug ihm mein Anliegen vor und er meinte: „Ich helfe Ihnen gern – aber ich habe gleich eine Urnenbeisetzung.“ Oha! Wir machten uns also auf den Weg und was soll ich sagen – wir fanden die Grabstätte nicht!! Mein Helfer sagte, er müsse in der Sakristei im Kataster nachsehen … und dass das doch alles gar nicht wahr sein dürfe.
Nachdem er noch einmal in seine Unterlagen gesehen hatte, begaben wir uns ein zweites Mal auf die Suche. Schließlich wurden wir fündig. Johanna Mestorfs Grabstelle ziert eine sehr schlichte Grabplatte – die Schrift kaum lesbar. Das Grab befindet sich nicht vor, nicht neben und auch nicht hinter einem Rhododendronbusch, sondern direkt in einem solchen Busch. Der Pastor meinte etwas empört: „Das ist ja unmöglich, so ungepflegt. Hatte Johanna Mestorf denn keine Kinder??“ Nein, hatte sie nicht. Als wir wieder auf dem Weg standen fragte mein Helfer: „Darf ich Ihnen ein paar Blätter aus Ihren Haaren zupfen?“ … Das hatte schon etwas von Loriot. :-)

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So hat unsere Schule ihren Namen bekommen

Folgende vier Punkte bildeten den Rahmen für die Namensgebung:


• Die Schule sollte einen Frauennamen erhalten, weil über 90% aller Schulen in Kiel nach einem Mann benannt sind.
• Die Frau sollte einen Bezug zu Kiel haben.
• Die Frau sollte bereits verstorben sein.
• Der Name sollte gut aussprechbar sein.
Der Weg zur Namensgebung war lang: Sichtung des Materials, Lehrerkonferenz, Schulkonferenz, Ortsbeiratssitzung, Ausschuss für Schule und Sport, Ratsversammlung, Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur - und seit Mitte Dezember 2004 heißt unsere Schule "Johanna-Mestorf-Schule".

Um die Bezahlung der Buchstaben für das Schulgebäude gab es ein zähes Ringen zwischen der Immobilienwirtschaft und der DGAG - aber im April 2005 war es endlich so weit: Unsere Schule bekam ihren Namen in fröhlich leuchtenden, gelben Buchstaben angebracht.